Aquaponic: Tomaten und Fische, wer füttert wen?

Mit dem ökologischen Wasserstoffkreislauf der Aquaponic lässt sich Landwirtschaft nachhaltiger gestalten. Prof. Dr. Martin Lindner, Professor für Didaktik der Biologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, stellt das Konzept und seine Arbeit im Rahmen des Bürgerforschungsschiffs Make Science Halle vor.

Wusstest du schon…

  • …, dass Aquaponic die Fischhaltung und den Pflanzenanbau zu einem umweltschonenden Kreislauf vereint, der die Wasserqualität und Nahrungsproduktion global verbessern kann?
  • …, dass Forscher bei einem Aquaponic-Projekt für Wels- und Tomatenzucht bereits den Wasserverbrauch um die Hälfte und der Düngemitteleinsatz um 75 Prozent senken konnten, im Vergleich zur herkömmlichen Landwirtschaft?

Was ist Aquaponic?

Aquaponic erschafft einen ökologischen Kreislauf. Darin reichern Fische in einer Aquaponic-Anlage das Aquariumwasser durch ihre Ausscheidungen mit Nährstoffen an. Durch spezielle Filter gelangt das nun nitrathaltige Wasser zu den Pflanzen, um diese zu ernähren. Durch die Aufnahme des Nitrats reinigen sie das Wasser, das wieder zu den Fischen ins Aquarium rückgeführt wird.

Was kann man an Ihrer Forschungsstation machen?

Mit der Forschungsstation untersuchen wir Wasserkreisläufe und schauen uns die ökologische Abwasserreinigung an. Wir besprechen die Bedingungen zur tierischen und pflanzlichen Nahrungsmittelherstellung und konstruieren eine eigene Aquaponic-Anlage. Mit dem neuen Wissen können dann alle Teilnehmenden zu Hause weiterforschen.

Martin Lindner, Professor für Didaktik der Biologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Prof. Dr. Martin Lindner ist seit 2010 Professor für Didaktik der Biologie und Leiter der Didaktik der Geografie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Er engagiert sich im DFG-geförderten Projekt iDiv, dem deutschen Forschungszentrum für integrative Biodiversitätsforschung und ist in mehreren internationalen Projekten im MINT-Bereich tätig. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Bildungsarbeit mit Geflüchteten.

Was begeistert Sie als Forscher an der Aquaponic?

Die Doppelnutzung des Wassers sorgt für eine emissionsreduzierte und damit nachhaltige Fisch- und Pflanzenzucht mit geringem Wasserverbrauch und Düngemittelgebrauch. Zudem benötigt eine Aquaponic-Anlage viel weniger landwirtschaftliche Nutzfläche als eine separierte Fisch- und Pflanzenzucht. Diese Vorteile ermöglichen eine verbesserte Nahrungsmittelproduktion vor allem auch in solchen Gebieten, in denen Raum oder auch Wasser knapp sind.

Was ist Ihnen als Forscher wichtig bei der Arbeit?

Als Biodidaktiker möchte ich die Bioökonomie anschaulich näherbringen und auch den praktischen Nutzen der Wissenschaft vermitteln. Endeckendes Lernen ist mir hierbei wichtig, denn Neugierde ist der Zündfunke zum Lernen und Forschen. Dafür habe ich beispielsweise das Netzwerk „SciCamp“: Science Holiday Camps in Europe gegründet, mit dem wir europaweite Lerncamps verbinden. Als Mitglied des INStem – Comenius Network Programs „Innovative Networks for Science Technology Engineering & Mathematics education“ verfolge ich den Ansatz einer neuen Lernkultur und praktischer Wissensvermittlung auch auf internationaler Ebene.

Warum sind Sie an Bord der Make Science Halle?

Die ganze Initiative der Make Science Halle, dem Schiff für Flussforscher*innen, fasziniert mich. Mit einem attraktiven Angebot werden verschiedene Forschungseinrichtungen entlang der Saale verbunden – und das nicht nur mit Worten oder Videos, sondern mit Experimenten und Ausstellungen zum Anfassen. Auf dem Schiff begleite ich Studierende des Lehramtes Biologie bei der Entwicklung des Forschungsmodul „Aquaponic“, mit dem wir über spannende Experimente an der Aquaponic-Anlage die Aufmerksamkeit gegenüber dem Thema „Bioökonomie“ erhöhen und für die Möglichkeiten der Citizen Science sensibilisieren möchten.

Was fasziniert Sie an der Bioökonomie?

Als Biologie forsche ich seit langem im Bereich der Pflanzenökologie. Die Begriffe Ökologie und Ökonomie haben die gleichen Wurzeln, den Haushalt. Warum soll also künstlich ein Gegensatz zwischen beiden aufgebaut werden? Warum einigt sich die Menschheit nicht darauf, beides so zu verflechten, dass ein Vorteil für beide Systeme entsteht? Ich denke, die auf dem Schiff vorgestellten Beispiele zeigen, dass das geht. 

Welche Veränderungen kann die Bioökonomie auf der Welt bewirken?

Bioökonomie kann helfen, den unsinnigen Gegensatz zwischen Ökologie und Ökonomie aufzulösen. Sie führt direkt in nachhaltige Produktionsweisen. Wir dürfen nämlich nicht vergessen: Die Welt kann gut ohne die Menschheit existieren – wir aber nicht ohne eine intakte, nicht übermäßig ausgebeutete und ökonomischen Interessen geopferte Umwelt.



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