Forschungsexpedition: Leben im Wassertropfen

Unter dem Mikroskop wird ein Wassertropfen zum faszinierenden Dschungel. Sebastian Körnig, Lehrer für Biologie und Chemie und wissenschaftlicher Mitarbeiter zugleich im Bereich Biologie-Didaktik, betreut die Forschungsstation rund um das Leben in und am Fluss auf der Make Science Halle und erkundet das Wasser als Biotop für Kleinstlebewesen am liebsten im Rahmen von erlebnispädagogischen Natur-Trips und Ferienakademien. Im Kurzinterview stellt er seine Arbeit im Rahmen des Bürgerforschungsschiffs Make Science Halle vor.

Wusstest du schon…

  • …, dass unser Grundwasser mit seiner gigantischen Fülle an Kleinstlebewesen als der älteste und größte Lebensraum der Welt gilt? So lassen sich in einem Milliliter Grundwasser bis zu 100.000 Mikroben finden.
  • …, dass Bakterien das Wasser von Krankheitserregern befreien und dadurch unser Trinkwasser in den Leitungen gesund halten?
  • …, dass Düngemittel die Vielfalt von Mikroorganismen im Wasser beeinflussen und damit die Wasserqualität und die umliegende Tier- und Pflanzenwelt beeinträchtigen? So gelten über 60 % der Gewässer-Biotope als gefährdet.

Was macht den Lebensraum des Wassers so spannend und was kann man an Ihrer Forschungsstation dazu lernen?

Mikroorganismen tummeln sich vom Meer, über die Saale bis hin zum Wasser aus dem Duschkopf. Sie bauen CO2 und Biomasse ab und sorgen so für eine natürliche Wasseraufbereitung. In meiner Forschungsstation zeige ich ihre Bedeutung für Stoffwechsel-Kreisläufe und die Kraft Wassers als Energiequelle. Dazu erkunden wir das Wasser unter dem Mikroskop und an den Uferbereichen der Saale.

Was kann man bei den Aktivitäten an Bord und Ferienakademien zur Vielfalt im Wasser entdecken?

Auf Forschungsexpeditionen erkunden wir die Biotope in und an den Flüssen und heimischen Gewässern. Dabei schauen wir, wie wir die Gewässer gegen den Klimawandel und die Wasserverschmutzung schützen können. Die Entdeckungsreise mit der Make Science Halle führt dabei zum Umweltzentrum der Ökologieschule Franzigmarkt, wo wir auch übernachten können. Auch Camps am Ufer unter freiem Himmel sind geplant.

Womit beschäftigen Sie sich in der Wissensvermittlung des Wassers als Lebensraum?

Im Rahmen der Arbeit an der Ökologieschule beschäftige ich mich mit ökologischen Bildungsprojekten im Bereich klassischen Ökosystemanalysen auf biologischen und geografischen Exkursionen (outdoor-education) und Wildnisbildung, ebenso mit dem Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen. Im Zusammenhang mit der Gewässeranalytik habe ich das Projekt „Vernetztes Gewässermonitoring der Ökologieschulen in Sachsen-Anhalt“ betreut. Ebenso war ich am Projekt „PRONAS – Biodiversität im Visier der Umweltbildung“ des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung beteiligt. Mein Hauptaugenmerk bei allen Projekten liegt auf praktischer Schülerselbsttätigkeit: Wer selbst macht und forscht, lernt einfach mehr.


Sebastian Körnig ist Lehrer für Biologie und Chemie am Christian-Wolff-Gymnasium und zugleich an der Ökologieschule Halle-Franzigmark. Zudem arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Fachbereiches der Didaktik der Biologie an der Martin-Luther-Universität in Halle und ist als Lehrbeauftragter an der Hochschule Merseburg tätig.

Warum sind Sie an Bord der Make Science Halle?

Während der Tätigkeit an der Ökologieschule habe ich schon viele Jahre mit Schülerinnen und Schülern in Gewässerökosystemen gearbeitet. Da bietet ein Forschungsschiff eine tolle Weiterentwickung bzw. Vertiefung dieser Tätigkeit.

Was begeistert Sie an Gewässerökosystemen?

Die Vielfalt der Organismen in einem Gewässer, von Einzeller im Plankton bis zu den „großen“ und Pflanzen. Dazu die recht einfache Möglichkeit, den Gewässerzustand nicht nur durch chemische Analysen, sondern auch durch die Indikatoreigenschaften der Tiere und Pflanzen anschaulich machen zu können.

Welche globalen Veränderungen können eine größere Aufmerksamkeit auf die Biodiversität bewirken?

An sich müssten die alarmierenden Berichte über den massiven Artenverlust schon ausreichen, was sie jedoch leider nicht tun. Wahrscheinlich sind noch größere Naturkatastrophen, vor allem vor der eigenen „Haustür“ notwendig, um ein Umdenken und dementsprechendes Handeln auszulösen.



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